Pure Podologen-Power
 

Am 9.6 waren sie persönlich da: die „Stammeltern“ der Podologie, das Ehepaar Derks aus Harderwijk in den Niederlanden. In einem beeindruckenden Vortrag wurde bei unserem podologischen Schuhspezialisten Peter Schleifer nicht nur informiert, danach wurde auch heftig gefeiert. Mit dabei ein Großteil der Mitglieder unseres im ÖGV beheimateten Vereins für Podologen nach Derks.

     

Podos = „Fuß“

Die Podologie beschäftigt sich mit präventiven und therapeutischen Maßnahmen im Bereich der Fußgesundheit. Sie entwickelt Therapien zum Erkennen und Behandeln von Fußbeschwerden, verursacht durch unterschiedliche Muskelspannungen.

Auch durch die Körperhaltung und den Bewegungsapparat verursachte Beschwerden können podologisch erkannt und behandelt werden. Man kann von der nichtärztlichen Heilkunde am Fuß sprechen, der durchaus ganzheitsmedizinische Bedeutung beigemessen werden kann.

Der Podologe bedient sich zweier Methoden, nämlich der biomechanischen und der neurologischen. Die Biomechanik befasst sich mit rein mechanischen Veränderungen, die über verschiedene Hebelmechanismen und Gewichtsverlagerungen den Stand der Knöchel, des Knies, der Hüfte und des Rückens verändern und dynamische Überbelastungen beheben.

Bei der neurologischen Methode wird von der regulierenden Wirkung des Nervensystems auf Haltung und Muskelbelastung ausgegangen. Durch gezielte Ansteuerung von Reflexen sollen Muskeln reaktiviert werden. Auch Druck und Zug auf die Sehnen führen zu einer Aktivitätsveränderung der neuromuskulären Einheit. Diese Regulierungsmechanismen nennt man Propriozeption. Der propriozeptive Sinn ist der Muskel- oder Kraftsinn.

Konkrete Methoden

Bei der Erstuntersuchung werden Gelenks- und Muskelfunktion überprüft, eine Anamnese über etwaige Krankheiten, bisherige Operationen und derzeitige Beschwerden erstellt.

Mittels eines Farbabdrucks vom dynamischen Abrollverhalten des Fußes kann durch die Rechenmethode „Derks“ verdeutlicht werden, an welchen Stellen Überbelastungen, Muskelschwächen oder Sehnenverkürzungen auftreten und wie sich Gelenke verdreht haben. Dies wird mit einer einfachen Blaupapierdruckplatte durchgeführt. Mit der elektronischen Druckmessplatte wird eine Ganganalyse erstellt, durch das Abrollbild können Überdruckstellen und Blockaden angezeigt werden.

Das Bewegungsbild wird auf den Bildschirm projiziert und mittels Rechenmethode „Derks“ der Ist- und Sollwert ausgedruckt. Die notwendigen Elemente werden von Hand eingezeichnet.

Auf dem Fluxangerät (elektronischer Belastungsmesser) kann der Podologe die Körperbelastungs-funktionen erkennen. Bei der Gelenksachsenvermessung werden vorhandene Beinlängendifferenzen und Asymmetrien sichtbar. Das EMG-Gerät misst die Stärke der Wirbelsäulenmuskulatur. Auf dem Laufband kann eine Bewegungs-analyse in der Laufbewegung erstellt werden, die falsche Hüft- und Beinrotationen aufzeigt. Dies ist vor allem für den Laufsportler von Interesse.

Mit all diesen Daten wird nun die propriozeptive Therapiebettung angefertigt. Diese sorgt für Muskelspannung zur Stimulierung der Muskelspindel sowie zur Muskelentspannung über die Stimulierung der Sehnen oder der Golgilorgane.

Die Therapiebettung besteht aus natürlichen Materialien wie Kork und Leder und ist nur wenige Millimeter hoch. Verschieden gesetzte Aktivierungspolster sollen die verkürzten oder erschlafften Muskeln wieder aktivieren. Schon nach kurzer Zeit (ca. 3 Monate) ist in den meisten Fällen eine positive Veränderung sichtbar. Nun werden erneut die mechanisch stimulierenden Elemente versetzt, um weitere Veränderungen zu erwirken.

Das Ziel der Podologie bzw. der Behandlung durch das Tragen von propriozeptiven Therapiebettungen ist die Berichtigung des Abrollens des Fußes beim Gehen und die Korrektur der Belastung des Körpers durch das „falsche“ Abrollen sowie die Zentrierung des Körperschwerpunkts. Außerdem sorgt die Therapie für eine Verbesserung der Muskelspannung sowie von funktionellen Haltungsbeschwerden. Die Erfolgs-höhe ist proportional zur Schwere der Deformierungen sowie der Dynamik und Konsequenz des Trägers.

Nur wenn der Fuß Halt in der Ferse und ausreichend Platz im Vorfußbereich findet, kann die Podologie 100-prozentig wirksam werden.